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ART
IN GRUBER ARCHITEKT
Tenne Lodges
2017 STATEMENT
Ein Haus wie ein Dorf. Frei nach Adolf Loos wurden bewährte Elemente des Bauens in den Bergen beibehalten. CREDITS
Martin Gruber Konzept, Architektur, Innenraumgestaltung Matthias Hofer Mitarbeit
Thomas Larcher Statik Sicherheit
Zunächst die Berge, dann der Mensch, mit seinem Verhalten und den Spuren die er hinterläßt. Sehe ich Berge, versetze ich mich im Gedanken in Zeiten in denen es den Menschen noch nicht gab. Erst dann, irgendwann später als der Mensch mit seinem Verhalten dem Raum eine Prägung gab: Krieg und Frieden, Hochzeiten und Begräbnisse ; magere und fette Jahre... - dieses Gedankenspiel über das Leben schärft mir den Blick auf die (Erhabenheit der) Berge. Sie stehen immer gleich da. Sie haben alle Zeiten überstanden. Wie sie in ihrer Einfachheit da stehen spüre ich die Unantastbarkeit der Natur, und es weckt Demut: im Umgang mit dieser absoluten Landschaft. Was ich liebe zerstöre ich nicht. Mit diesem Anspruch von Sorgsamkeit möchte ich Planungsaufgaben beim Bauen in der Landschaft begegnen. Zum Ort zählt natürlich auch der dort lebende Mensch mit seiner Kultur und seiner Kultiviertheit. Deshalb fand ich es angebracht eine Schriftart für die Kommunikation zu entwerfen die nach Vorbild der Schnitzzeichen an historischen Pfostenspeichern für die Kommunikation der „Tenne“ dienen soll. Architektur ist in der Wahrnehmung des Gastes zwangsläufig temporär. Die Definition von Zimmern ohne Vergangenheit und Zukunft, liegt jedoch nicht in unserem Verständnis bei der Planung von Tourismusarchitektur. Denn wir möchten uns nicht dem Gast aufdrängen, sondern auch ihm gegenüber feststellen wer wir sind und den Gast für eine Zeitlang bei uns willkommen heißen. Im besten Falle ist es so, daß der Gast an einem bestimmten Ort kommt, sich diesen vorab bewußt auswählt und dort angekommen sich eine gewachsene Unterkunft lokale Dienstleister und lokale kulinarische Besonderheiten erwartet. Gegen den globalen Mainstream ein Statement setzen. Im Orient stelle ich mir Gewürze vor, lange Kleider, unter Umständen Schlangenbeschwörer, Menschen auf Marktplätzen usw. - der originale Ort, oder vielleicht der romantische Ort. Südtirol lebt sehr von dieser Projektion. Sehr schnell veränderten sich Menschen und Gebautes. Unser Ansatz, daß die reale Baukultur sehr mit dem Menschen und seiner Einstellung zum Bauwerk zusammenhängt sollte bei gesamtheitlicher Architekturkritik mehr beachtet werden. Wir haben x- Kommissionen, Genehmigungsverfahren die sich über Jahre erstrecken, aber die gesetzliche Definition von Bauqualität funktioniert offensichtlich nicht. Den Blick dabei auf das essentielle am Bauen zu lenken: Die eigentliche Form, Material, Funktion und wie es eigentlich von der positiven trägen Masse aufgefaßt wird. Der pädagogische Bau von oben diktiert wird steht meistens isoliert und kann auf Dauer nicht dienen. Eine weitere Projektion ist der Wunsch nach Veränderung des Menschen in einer Neuen Umgebung. Ein Bauernhof macht aus einem Rechtsanwalt noch keinen Bauer. Der Advokat sehnt sich zwar nach dem Rhythmus, der Zeit der Ruhe, vielleicht auch der Körperlichkeit des Bauern, lehnt sich an die Spuren einer Bauernstube aus Altholz- bleibt jedoch in seiner Haut. Philosophische Analysen der Hotelstrukturen Südtirols verleiten dazu, zu umfangreich zu werden und dabei das wesentliche aus den Augen zu verlieren. Um konkrete Schlüsse für den Entwurf zu ziehen streben wir das direkte Statement an. Folgende zählbare Kriterien wurden im Entwurf tiefergehend betrachtet, und im Detail neu erarbeitet: Satteldach, Fassadenöffnung:
Die lokalen Merkmale der Architektur zu erkennen, und dazu zu stehen. Die Differenzierung zu internationaler und designter Architektur darf nicht durch einen Bruch erfolgen, sondern muß in einer subtilen Kontinuität zu einem fertiggedachten Objekt führen, das ein Gleichgewicht zwischen Tradition und zeitgenössischer Architektur herstellt. (zB. Armando Rundell in Soglio) Materialwahl und Maßstab
Steinsockel im Steilgelände , darauf eine Holzstruktur, Dimension ca. 1000 m3, lokale Gegebenheiten - , Hof und Flurnahmen kennen und zitieren können. In der Materialbehandlung sich an die „Alten“ orientieren. Eine Strukturelle Alterung einleiten und nicht nur jene der Oberflächen. Formensprache
Das liebevolle Detail an der Oberfläche nicht zu liquidieren, sondern einen Rahmen finden wo es stattfinden kann. (Wie ein Bild ein einem klaren Raum) die geistige Information (das tätowierte Holz), auch die Sprache der Gebäude zueinander ist durch den Ort geprägt. (Alpine Cluster) Wir wollten Raumgefäße bauen die in ihrer Konfiguration zwischen schlicht und detailverliebt, jedoch in der Gesamtheit stimmig den Ort wiederspiegeln.
Die tragenden Sockel, ummantelt mit Natursteinmauer, grob geschichtet, vermitteln alpine Landschaft und vermittelt durch den klaren Materialschnitt zum Innenraum eine verstärkte Wahrnehmung von Innen und Außen. Die Außenhülle aus Naturstein gibt dem gesamten Sockelgeschoß die nötige statische Schwere, bildet als harte rauhe Schale die Hülle den willkommenen Kontrast zum warmen getäfelten Innenraum.