2024
Eine Phänomenologie des Alpinen
Stellungnahme zur Tektonik und zum kulturellen Gedächtnis des Bauens
Das Projekt „Eriro“ artikuliert sich als eine architektonische Ontologie des Wesentlichen. Es ist der Versuch, die Dialektik zwischen der archaischen Wucht der Alpen und der Zerbrechlichkeit menschlichen Rückzugs neu zu verhandeln. In einer Ära der digitalen Beliebigkeit setzen wir mit diesem Entwurf ein Statement für die physische Präsenz und die haptische Wahrheit des Materials.
Die Synthese aus Topos und Typologie
Eriro verweigert sich der bloßen Mimikry des Rustikalen. Vielmehr ist der Entwurf eine kritische Rekonstruktion alpiner Typologien. Die Volumetrie folgt nicht dem Drang zur Selbstdarstellung, sondern der Logik des Ortes (Genius Loci). Die Setzung auf dem Steinsockel fungiert als tektonische Verankerung, während der hölzerne Aufbau in seiner strengen, beinahe sakralen Rhythmik das Licht nicht nur empfängt, sondern moduliert.
Der „Gebaute Anstand“ im 21. Jahrhundert
In Anlehnung an Adolf Loos’ Postulat der kulturellen Reduktion verstehen wir Eriro als Absage an das Ornamentale. Die Ästhetik resultiert hier primär aus der Fügung. Es geht um die Ehrlichkeit der Konstruktion:
Materialität: Die Verwendung von rohem Holz und Stein ist kein ästhetischer Selbstzweck, sondern eine Rückbesinnung auf die ökologische Vernunft und die atmosphärische Beständigkeit.
Atmosphäre: Das Interieur definiert sich über die Abwesenheit des Lärms. Das Licht agiert als Baustoff, der die Oberflächen belebt und den Raum in eine kontemplative Stille taucht.
Die Hülle als Archetypus
In der formalen Ausprägung von Eriro suchen wir die Rückkehr zum Ur-Bild des Hauses. Ähnlich wie Pablo Picasso ein Leben lang danach strebte, die akademische Virtuosität zu verlernen, um „zu malen wie ein Kind“, verfolgt dieser Entwurf eine bewusste Entschleunigung der Form.
Wir verzichten auf die artikulierte Komplexität zeitgenössischer Glas-Stahl-Architektur zugunsten einer fast naiven, ikonischen Silhouette. Diese Einfachheit ist jedoch keine Simplizität; sie ist das Ergebnis eines radikalen Destillationsprozesses. Das Haus wird zur Chiffre, zum Symbol für Schutz und Behausung schlechthin. Es ist die Architektur gewordene Antwort auf die Frage: Was bleibt übrig, wenn man alles Überflüssige entfernt?
Martin Gruber Architektur Konzept und Gestaltung.
Amelie und Dominik Posch Bauherr und Gestaltung
Martin Zint Genehmigungsplanung, Ausführungsplanung und Bauleitung
Mader Andreas Rohbau, Holzbau, Innenausbau, Verputz
Martin Spielmann Businessplan
Linda Pezzei Fotografie
Alex Moling Fotografie
Martin Gruber Montage
Eugen Schenk Serienmöbel
Georg Waldboth Spachtelungen
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GRUBER ARCHITEKT - FALLMERAYERSTR. 9 - 39042 BRIXEN - EMAIL: MARTIN@GRUBER-PARTNER.COM - (+) 3 9 3 4 7 8 2 0 3 9 3 2